Peter Kruse auf der Republica 2010

Habe lange nichts gepostet, ein Vortrag von Peter Kruse auf der Re:publica in Berlin hat mich daran erinnert. Auch dieser 30-minütige Beitrag ist zu empfehlen. Wieder schön nachzuvollziehen, gehts um die Diskussion über das Internet, die zu einem guten Teil aus extremen Anschauungen besteht. Ähnlich wie Müller den Utopische und Dystopischen Blickwinkel beschreibt [1]. Kruse sieht hier 2 Wertkulturen, die das Internet zwar faktisch gleich wahrnehmen, aber komplett unterschiedlich beurteilen. Und Werte seien eben sehr tief in den Menschen verwurzelt, weswegen ein Angleichen in einer Diskussion schwierig ist. In einer Studie macht Kruse also 2 Typen von "Heavy Usern" des Internets aus, die "Digital Visitors" und die "Digital Residents", die sich hauptsächlich in ihrer bewertenden Einschätzung des Internets unterscheiden. Kurz: die einen mögen es, die anderen nicht. Die einen sehen die freie Meinungsäußerung als Chance des Internets, die anderen haben hauptsächlich Datenschutz Bedenken wenn über das Internet nachgedacht wird. In dieser durch eine Studie belegten Analyse, will Kruse also den Grund des aktuellen "Glaubenskrieges" gefunden haben.

Im zweiten Haupteil seines Vortrages skizziert Kruse noch, wie er eine Machtverschiebung von Informations Anbieter zum Nachfrager feststellt. Im Internet bestimmt der Nachfrager, bzw besser gesagt die Masse von Nachfragern, welche Nachrichten gehyped und somit verbreitet werden. Die Masse von Nachfragern bestimmt also durch "likes" und "re-tweets", und "diggs" welche Nachrichten Resonanz bekommen. Als Beispiel bringt er einerseits die Nestle vs Greenpeace Story, als auch die Uni-Brennt Initiative. Zum Abschluss bringt er die Machtverschiebung noch mit einem griffigen Zitat auf den Punkt:

"Ihr werdet euch noch wünschen, wir wären politverdrossen.."

  1. Eggo Müller, “Formatted spaces of participation - Interactive television and the changing
    relationship between production and consumption,” in Digital Material - Tracing New Media in Everyday Life and Technology, ed. Marianne van den Boomen et al. (Amsterdam University Press, 2009), 49-61.